Montag, 12. November 2018

Pendler mehr von psychischen Krankheiten betroffen

Quelle: pixabay.com

Der Report „Mobilität in der Arbeitswelt“, veröffentlicht durch die Techniker Krankenkasse (TK), legt offen, dass fast die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland Berufspendler sind, also nicht in ihrem eigenen Wohnkreis arbeiten. Das bringt eine hohe Belastung mit sich.

45 % der Deutschen fahren jeden Tag für ihre Arbeit in einen anderen Kreis. Pendler sind mit diesen täglichen Wegen hohen Risiken ausgesetzt. So sind sie zwar weniger oft krankgeschrieben als Beschäftigte mit einem kurzen Arbeitsweg, allerdings sind sie im Vergleich mehr von psychischen Erkrankungen betroffen. Mit ihrer Studie möchte die TK darauf aufmerksam machen, dass die Belastungen des Pendelns auch im Fokus eines modernen Gesundheitsmanagements stehen müssen. Außerdem sieht die Krankenkasse die Verkehrspolitik und –betriebe in der Pflicht.
Berufspendler sind mit 13,7 Fehltagen im Jahr 2017 insgesamt einen halben Tag weniger krankgeschrieben als Berufstätige mit einem kürzeren Arbeitsweg. Auch fielen insgesamt weniger Pendler krankheitsbedingt im letzten Jahr aus. Bei der Auswertung ging man vom sog. Healthy-Worker-Effect aus. Das bedeutet, längere Arbeitswege werden eher von Menschen in Kauf genommen, denen es gesundheitlich gut geht.

Obwohl aber Pendler weniger oft krank sind, so sind von ihnen mehr von psychisch bedingten Krankschreibungen betroffen. Bei Berufstätigen mit kurzen Wegen kamen 219 psychisch bedingte Krankentage zusammen. Bei Pendlern waren es allerdings 242 Fehltage. „Weil die Berufe, die überdurchschnittlich mit Pendeln verbunden sind, sonst eher durch geringere psychische Belastungen gekennzeichnet sind, gehen wir davon aus, dass die höheren psychisch bedingten Fehlzeiten durch das Pendeln selbst entstehen“, fasst ein TK-Experte zusammen.

Zwischen den Berufsfeldern variiert der Anteil der Pendler stark. Besonders viele Pendler gibt es bei Beschäftigten im Luftverkehr oder aber auch in IT-Berufen. Außerdem fand man heraus, dass der Pendleranteil bei Menschen mit höherem Ausbildungsabschluss steigt.

Der zweite Teil der Studie beschäftigt sich mit einem Literaturinterview des Forschungsstands zum Pendeln sowie zur mobilen Telearbeit. Hier wird deutlich, dass die Zahl der Berufspendler kontinuierlich steigt. Auch die Pendelstrecken und die Pendelzeiten steigen. „Die Gesamtbetrachtung zeigt auch negative Einflüsse des Pendelns auf die physische und soziale Gesundheit auf, vor allem bei Frauen. Magen- und Verdauungsbeschwerden können zunehmen, Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Beschwerden wie der Körperfettanteil und der BMI (Body-Mass-Index) steigen, auch der Schlaf sowie soziale Beziehungen und Partnerschaften leiden.“, weiß Albrecht Wehner zu berichten.

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