Freitag, 13. November 2015

Ausbildung in MINT-Fächern hat ein Imageproblem

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Die Arbeit in MINT-Berufen stellen sich Schüler laut des MINT Nachwuchsbarometers 2015 von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und der Körber-Stiftung gefährlich, kalt und körperlich anstrengend vor. Deshalb und wegen Defiziten in der Berufsberatung entscheiden sich immer weniger Jugendliche für eine Ausbildung in diesem Bereich.

Besonders gravierend ist dabei, dass die negativen Assoziationen nichts mit der Realität zu tun haben. MINT-Auszubildende können die Vorurteile der Schüler größtenteils nicht bestätigen. Und so ist es bezeichnend, dass mehr als 60 % der MINT-Azubis ein vorangegangenes Betriebspraktikum als ausschlaggebend für ihre berufliche Entscheidung nennen. Dennoch ging die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge innerhalb von zehn Jahren um 8 % zurück. Gleichzeitig fiel die Zahl der bestandenen Ausbildungsabschlüsse um 21 %. Einen Lichtblick gibt es nur an den Hochschulen: Bei den MINT-Studienanfängern (insbesondere Ingenieurswissenschaften) gibt es einen leicht positiven Trend.
Vor dem Hintergrund der durch das Institut der deutschen Wirtschaft diagnostizierten Lücke von 78.000 beruflich qualifizierten Fachkräften für das Jahr 2015 fordert der wissenschaftliche Leiter der Studie Prof. Dr. Ortwin Renn: „Wir müssen jungen Menschen klar machen, dass MINT-Ausbildungen viel attraktiver sind, als sie glauben.“ Das negative Stimmungsbild halte selbst technikaffine Jugendliche von einer Ausbildung in diesem Bereich ab. Aber auch der Anteil von Frauen stagniert auf niedrigem Niveau; gerade einmal 10 % beträgt die Quote. Hierzu stellt Matthias Mayer von der Körber-Stiftung fest: „Für junge Frauen ist der Einstieg nach wie vor schwer. Eltern und Bekannte raten ihnen fünfmal häufiger von einer MINT-Ausbildung ab als Männern. (…) Jeder fünfte Kollege hält weibliche Azubis für weniger geeignet. Vorurteile in den Betrieben müssen abgebaut, MINT-interessierte Mädchen ermutigt und durch weibliche Vorbilder gestärkt werde.“

Parallel hierzu spitzt sich auch die Nachwuchssituation bei den Lehrkräften für naturwissenschaftliche und technische Fächer an allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen zu. Im Jahr 2004 studierten noch 17 % der Lehramtsabsolventen für Berufsschulen ein technisches Fach, zehn Jahre später waren es nur noch 9 %. So mahnen die Autoren der Studie an, auch den Lehrerberuf im MINT-Bereich attraktiver zu machen. Nur gut ausgebildete Lehrkräfte könnten die Qualität der Berufsausbildung zukünftig sichern und junge Menschen für die Fachbereiche begeistern.